Nachdem wir uns in den letzten 20 Jahren intensiv mit der Theorie einer möglichen Patientenbergung aus dem sogenannten „Gnaupenloch” bei Zirl auseinandergesetzt haben, war es nun soweit. Am Samstagabend wurden wir zu einem Einsatz alarmiert. Im mittleren Bereich der Schlucht, bei Abseilstelle 18, benötigte eine Frau unsere Hilfe. Nun macht sich unser Einsatzkonzept, das auch die Nummerierung der Abseilstellen beinhaltet, bezahlt. Werden sich unsere Annahmen und Vermutungen der letzten Jahre bestätigen? Aber nun mal alles der Reihe nach. ;-)
Am 11. Juli 2026 um 17:15 Uhr kam es in der Canyoningschlucht „Gnaupenloch“ bei Zirl zu einem anspruchsvollen Rettungseinsatz der Bergrettung Tirol. Eine Frau hatte sich während der Begehung der Schlucht am Bein verletzt und konnte den Weg nicht mehr selbstständig fortsetzen.
Das Gnaupenloch gilt als sehr anspruchsvolle Schlucht. Die schwierigen Geländeverhältnisse, die eingeschränkten Möglichkeiten für eine Taubergung sowie die erschwerte Kommunikation innerhalb der Schlucht stellen bei Rettungseinsätzen eine große Herausforderung für die Einsatzkräfte dar.
Nach Eingang des Notrufs wurden die Ortsstellen Seefeld und Innsbruck der Bergrettung sowie die Canyoning-Gruppe Mitte der Bergrettung Tirol alarmiert. Die Einsatzkoordination erfolgte vom Krankenhaus Hochzirl aus. Während sich die Rettungskräfte sammelten und die weitere Vorgehensweise abstimmten, wurde die Lage zunächst mit dem Notarzthubschrauber C1 aus der Luft erkundet.
Für den Einsatz wurden zwei mögliche Rettungsstrategien vorbereitet: Die bevorzugte Variante war eine Taubergung mittels Hubschrauber, die alternative Strategie eine bodengebundene Bergung durch die gesamte Schlucht. Dank des professionellen Zusammenspiels aller Beteiligten konnte schließlich eine Taubergung erfolgreich durchgeführt werden und die Verletzte wurde sicher aus der Schlucht geborgen.
„Bei Einsätzen in tief eingeschnittenen Schluchten müssen wir flexibel bleiben und verschiedene Szenarien vorbereiten. Umso erfreulicher war es, dass die Bergung rasch und sicher durchgeführt werden konnte“, erklärt die Einsatzleitung der Bergrettung.
Die sich bereits in der Schlucht befindlichen Canyoning-Retter unterstützten die Bergung unmittelbar vor Ort und mussten anschließend durch die Schlucht absteigen.
Auch die Crew des Hubschraubers C1 leistete unter schwierigen Bedingungen Präzisionsarbeit. Dadurch konnte die verletzte Frau schnell und schonend aus ihrer Lage befreit und zur weiteren medizinischen Versorgung gebracht werden. Der Einsatz konnte erfolgreich abgeschlossen werden.
An dieser Stelle bedanken wir uns bei den Bergrettungs-Ortsstellen Seefeld und Innsbruck, der C1-Besatzung, der Canyoning-Gruppe Mitte, dem Krankenhaus Hochzirl sowie der Leitstelle Tirol für die hervorragende Zusammenarbeit.
„Am Ende zählt, dass die verletzte Person rasch versorgt werden konnte und alle Einsatzkräfte gesund vom Einsatz zurückkehren konnten. Dafür gebührt allen Beteiligten großer Dank und Anerkennung.”
Für uns als Ortsstelle haben sich viele Annahmen bestätigt und einige Zweifel konnten ausgeräumt werden. So sind wir beispielsweise immer davon ausgegangen, dass eine Taubergung per Hubschrauber in dieser Schlucht nicht möglich sei. Das C1-Team hat an diesem Tag durch seine äußerst präzise Vorgehensweise jedoch eine Bergung der Patientin ermöglicht. Chapeau an die Crew. Sie haben uns viel Arbeit abgenommen und letztlich für Freude gesorgt, denn die Patientin konnte sehr schonend geborgen werden.
Ein weiterer wichtiger Faktor war die Kommunikation mit den Rettern in der Schlucht. Die Verständigung war schier unglaublich und trotzdem konnten wir an einigen Stellen einen Funkkontakt herstellen. All diese wichtigen Erkenntnisse und Informationen werden wir in einer Nachbesprechung noch einmal Revue passieren lassen und anschließend in unser Konzept einfließen lassen. Nun haben wir die Möglichkeit, echte Daten einfließen zu lassen.
Ein großes Dankeschön an alle beteiligten Organisationen.
Ortsstelle Seefeld, Ortsstelle Innsbruck, Ortsstelle Ötz, BRT Canyoning-Gruppe Mitte, Christophorus 1, Betriebsfeuerwehr LKH Hochzirl, LKH Hochzirl und die Leitstelle Tirol. (bb)
Presse:
https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-regionauten-community/anspruchsvolle-canyoning-rettung-im-gnaupenloch-bei-zirl_a8793861
https://tirol.orf.at/stories/3362332/
https://tt.com/go/30938030














