Dreimal Kranebitter Klamm

Bei der Bergrettung gibt es ab und zu das Gesetz der Serie. Gerade haben wir es wieder, diesmal in der Kranebitter Klamm. In den letzten fünf Tagen mussten wir dorthin dreimal ausrücken.

Die Kranebitter Klamm zieht sich eindrucksvoll von Kranebitten hinauf Richtung Solstein. Verständlicherweise ist eine kühle, schattige Klamm ein beliebtes Ziel bei der derartigen Hitze. Es gibt aber keinen offiziellen Weg am Klammboden selbst. Der vorhandene Steig ist nicht markiert und nicht gewartet. Die Steilstufen und zu querenden Steilhänge sind zum teil abenteuerlich gangbar gemacht. Aufmerksame Leser unserer Homepage wissen auch, dass wir in der Klamm schon öfter Schwerverletzte und Verstorbene holen mussten.

Bei den letzten Einsätzen wurde aber jeweils rechtzeitig der Notruf gewählt.
Dienstagabend war eine 65jährige Wanderin mit ihrem Hund von der Neuen Magdeburgerhütte gekommen und versehentlich in der Klamm selbst abgestiegen. Sie kamen bis in das untere Drittel in dem eine klapprige Leiter und überhängende Stufen den Weg versperrten. Für Menschen schon nicht ganz einfach war für die Hündin hier definitiv Schluss. Wir konnten schnell aufsteigen, nahmen Frauchen und Hund ans Seil und konnten abseilen. Für solche Einsätze halten wir spezielles Gurtzeug für Hunde vor. Der 5jährigen Hündin war das ganze definitiv nicht geheuer aber sie blieb tapfer. Schwebend, mit allen Läufen weit von sich gestreckt aber ohne einen Muckser ging es am Seil bergab. Der restliche Weg aus der Klamm war dann ein Kinderspiel.
Am Freitag gings dann wieder an die selbe Stelle, ein Wanderer stand ebenfalls an der Leiter und traute sich nicht weiter. Auch er war schnell gesichert und hinab begleitet.
Der dritte Einsatz war am Samstag. Ein 48jähriger Wanderer verließ die Klamm beim Aufstieg im Bereich der Hundskirche versehentlich nach Nordwesten. Mühsam arbeitete er sich wieder nach Osten zurück kam aber in immer wegloseres und absturzgefährdeteres Gelände. Gemeinsam mit der Alpinpolizei konnten wir eine Rinne mehr oder weniger direkt zu ihm aufsteigen, ihn ans Seil nehmen und mit vier Abseilstellen schnell und sicher wieder in den Klammgrund bringen.

Alle drei Einsätze sind sehr gut verlaufen, auch weil die Betroffenen rechtzeitig einen Notruf abgesetzt haben.
Wenn ihr in die Klamm wollt, gibt es mit Schleifwandsteig, Krummersteig und Söldensteig drei markierte Alternativen. Wenn ihr am Klammboden selbst auf- oder absteigen wollt, seid Euch bewusst, dass dort keine Markierungen sind und es einige Stellen gibt an denen man absolute Trittsicherheit alpine Erfahrung braucht.

Zusätzlich zu den drei geschilderten Einsätzen wurde die Bergrettung Innsbruck in den letzten fünf Tagen noch siebenmal alarmiert. Somit befinden wir uns mitten in einer der einsatzreichsten Wochen dieses Jahres. (MH)

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