Der Herbst ist da!

Die Tage sind wunderschön und perfekt für Bergtouren aber auch schon merklich kürzer.
Die Tag-Nacht-Gleiche liegt hinter uns und derzeit wird es in Innsbruck um 19:30 Uhr dunkel.
Beides, der große Andrang und die frühe Dunkelheit führten in der letzten Nacht zu zwei Einsätzen auf dem Innsbrucker Klettersteig.

Die Bergrettung Innsbruck wurde gestern in Summe viermal alarmiert. Untertags waren zwei Stornos, einmal weil der alarmierte Notarzthubschrauber am verunfallten Radfahrer landen konnte und somit keine Unterstützung durch die Bergrettung nötig war und einmal weil der als abgestürzt vermutete Gleitschirm doch sicher gelandet war.

Um 19:05 Uhr dann der erste Notruf vom Klettersteig. Vier Briten waren in der Dämmerung und kamen nur sehr langsam voran. Sie hatten aber den Langen Sattel zwischen Sektion I und Sektion II des Klettersteigs schon erreicht. Nach einem Telefonat mit dem Einsatzleiter verzichteten sie auf weitere Hilfe und stiegen selbständig ab. Kurz darauf riefen sie erneut an: Sie hatten Hilferufe vom Klettersteig gehört. Nun rückten wir doch aus. Bald auch die Bestätigung durch die Leitstelle: Zwei Klettersteiggeher waren ohne Licht, erschöpft und unterkühlt im letzten Bereich der Sektion I. Mittlerweile waren zwei Unbeteiligte dazu gekommen die eine sehr gute Erstversorgung durchführten und einen Notruf mit genauen Koordinaten absetzten. Der merklich gezeichneten britischen Gruppe begegneten wir am Kärntener Steig und sie konnten gemeinsam mit einem unserer Bergretter sicher zurück zur Frau Hitt Warte gelangen.

Bei unseren Gesuchten handelte es sich um ein Geschwisterpaar aus Deutschland. Sie wollten den Klettersteig als Tagestour von Oberbayern aus machen. Aufgrund der langen Schlangen an der Seegrubenbahn verloren sie zwei Stunden. Damit wurde die lange Klettersteigsektion endgültig zu lange. Das untertags so heiße Wetter wurde ungemütlich kalt und Wolken hüllten den Grat der Nordkette ein. Aufgrund der unklaren Situation am Anfang wurde die Berufsfeuerwehr Innsbruck mit ihren Drohnen hinzugezogen. Dies hat sich sehr bewährt. Nach Aufsuchen der Unterkühlten konnte noch der Klettersteig nach Osten abgeflogen werden um auszuschließen, dass noch weiterer Personen am Weg sind. Zusätzlich meldete sich der Notarzthubschrauber RK 2 ob er unterstützen könnte. Der Abtransport von uns allen ohne den weiten Abstieg hatte seinen Reiz. Aus medizinischen war es nicht nötig daher entschieden wir gemeinsam, dass das Risiko eines Anflugversuches bei Dunkelheit und Sichtweiten in den Wolken von unter 50 Meter zu hoch war. Danke an den RK 2 für die Bereitschaft!

Sowohl die britische Gruppe als auch unsere unterkühlten Personen hatten als Not-Ziel die in der Karte (openstreetmap) eingezeichnete „Biwakhütte“ am Langen Sattel. Diese Möglichkeit fiel aus, da die private Jaghütte versperrt und nicht zu öffnen war.

Bei den Patienten setzten wir die Erstversorgung mit Biwaksack und Rettungsdecken, fort. Nach warmem Tee, Riegeln, Wärmewesten und dem Wärmezelt kamen die Lebensgeister langsam zurück und ohne größere Schwierigkeit konnten sie mit uns am kurzen Seil absteigen.
Von der Frau Hitt Warte folgte die lange Abfahrt mit den Fahrzeugen und um Mitternacht waren wir alle wieder heil in der Ortsstelle.

Der Besuch des Innsbrucker Klettersteigs boomt. Hierzu folgende Anmerkungen: Die angegebene Dauer von fünf Stunden für die erste Sektion stimmt nur wenn man in gutem Tempo zügig durchgehen kann, nirgends warten muss wegen Überlastung und Pausen kommen sowieso noch dazu. Schnell können hier zehn oder mehr Stunden draus werden und dann ist es wirklich eine Frage der Kondition und der Ausrüstung. Es gibt auf der Strecke bis zum Langen Sattel keine Abbruchmöglichkeiten und, wie wir erlebt haben, ist auf die private Jagdhütte kein Verlass, ob sie geöffnet ist. Die letzte Gondel von der Seegrube ins Tal fährt um 17:30 Uhr, der zähe Abstieg zur Hungerburg muss also im Zweifel auch noch miteingeplant werden.
Also niemals ohne Stirnlampe, warme Kleidung, Biwaksack und ausreichend Essen und Trinken starten! TOURENPLANUNG. (HAS)

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