Mit einem ambitionierten Vorhaben startete ein Pärchen aus Tschechien per Bus nach Innsbruck. Ihr Ziel: mit der ersten Bahn auf das Hafelekar fahren und in den Innsbrucker Klettersteig einsteigen.
Der Tag begann bei herrlichem Herbstwetter. Wer beide Sektionen des Klettersteigs begeht, benötigt selbst als versierter Klettersteiggeher mehrere Stunden. Als sich am späten Nachmittag das Wetter verschlechterte, die Wolken die Gipfel der Nordkette verhüllten und die Dämmerung hereinbrach, hatten die beiden den Klettersteig bereits hinter sich.
Ohne Sicht und ohne Datenroaming-Empfang wählten sie jedoch den falschen Abstieg: Sie orientierten sich nach Norden in Richtung Scharnitz, anstatt nach Süden in Richtung Innsbruck. Dabei kamen sie vom Weg ab und gerieten zunehmend in steiles, brüchiges Gelände. In der Dunkelheit und im dichten Nebel verloren sie schließlich völlig die Orientierung. In ihrer nun ernst gewordenen Lage setzten sie einen Notruf ab. Zum Glück hatten sie noch ausreichend Empfang, um telefonieren zu können.
Im letzten Tageslicht gelang es der Besatzung der „Libelle“ (Hubschraubers des Innenministeriums) ein kleines Team der Bergrettung Innsbruck am Ostgrat des Brandjochs abzusetzen. Dieses fliegerische Kunststück ersparte uns einen sehr langen Aufstieg und damit einen erheblich längeren Einsatz.
Knapp unterhalb der Frau-Hitt-Scharte konnten wir die beiden Verirrten im dichtesten Nebel schließlich finden. Nach einem kurzen Check stiegen wir gemeinsam mit ihnen zurück zum Grubegg ab. Dort warteten bereits unsere Kollegen mit dem Einsatzfahrzeug und brachten uns zurück nach Innsbruck.

Am Bahnhof angekommen, verabschiedeten wir die beiden unverletzten Klettersteiggeher. Für sie war der Tag noch nicht ganz vorbei: Sie mussten schließlich noch ihren Bus nach Prag erwischen. (bb)
