Und wieder die Sillschlucht, und wieder Party mit katastrophalem Ausgang

Im Frühsommer 2021, während des Covid-Lockdowns, wich die Innsbrucker Partyszene in die Sillschlucht aus. In den hinteren, schwer einsehbaren und schwer erreichbaren Teil der Schlucht wurden Soundanlagen, Aggregate, Alkohol und Drogen geschleppt. Für die Exekutive möglichst unerreichbar heißt auch schwierig für die Besucher hin zu kommen. Keine offiziellen Wege, nur Steige und eine Strecke teilweise entlang und über die Gleise der Brennerbahn. Schon damals kam es dreimal an der gleichen Stelle zu jeweils etwa 12 Meter hohen Abstürzen.

Die Artikel über die damaligen Einsätze findet ihr hier:

Dramatische Einsätze in der Nacht


https://innsbruck.bergrettung.tirol/wieder-einsaetze-in-den-fruehen-morgenstunden-in-der-sillschlucht/

Damals wurden drei Personen verletzt, eine lebensgefährlich und zwei schwer. Die Berufsfeuerwehr richtete daraufhin in weiterer Folge ein Geländer zur Leitung und Absturzsicherung ein.
Schon damals bekamen wir große Unterstützung von der ÖBB: Wir mussten die Patienten nur zu den näheren Gleisen bringen und wurden dort von einer Verschublokomotive abgeholt. Über diese besondere Art des Rettungstransportes gab es sogar einen Artikel in der Fachzeitschrift „Rettungsdienst“ (Der besondere Corona-Einsatz: Lokomotive als Transportmittel Schwerverletzter im alpinen Raum – Ausgabe August 2021).
Nach Ende der Beschränkungen für Veranstaltungen wurde es zumindest für uns bezüglich Rave Partys in der hinteren Sillschlucht ruhig. Bis jetzt.

In der Nacht auf Samstag, 27.06.26 wurden wir kurz nach Mitternacht alarmiert. Die Ortsstelle Innsbruck gemeinsam mit den Bergrettungsärzten Mitte der Bergrettung Tirol. Neben sieben Bergrettern konnten zwei ortsstelleneigene Bergrettungsärzte den Einsatz begleiten. Nach 50 Minuten erreichten wir mit Einsatzfahrzeug und in die Sillschlucht rennend den Einsatzort. Exakt die gleiche Stelle wie die drei Einsätze zuvor. Von dem damaligen Verbau der Feuerwehr keine Spur mehr. Unser jetziger Patient lag halb auf dem Bauch, war ansprechbar und sehr schmerzgeplagt.

Schnell stellte sich eine schwere Verletzung der Brustwirbelsäule mit Lähmung heraus. In der Klinik wurden noch zusätzlich mehrere Brüche der Halswirbelsäule festgestellt. Nach Monitoring, Schmerztherapie, Immobilisierung und Vorbereitungen falls sich der Patient akut verschlechtern sollte, begann der schon bekannte Abtransport. Auf der Gebirgstrage ging es am Seil bergauf bis zu den mittlerweile gesperrten Gleisen. Die ÖBB hatte uns eine Diesellok geschickt die bereits auf uns wartete. Der Mitarbeiter der ÖBB war bisher zufälligerweise auch auf jedem Einsatz mit uns gewesen und wusste genau wohin.


Vom Hauptbahnhof aus begleiteten unsere Ärzte im RTW in die Klinik Innsbruck wo wir unseren Patienten im Unfall Schockraum in die Obhut der Kollege übergeben konnten.
Wir wünschen ihm eine gute Genesung und viel Kraft in der kommenden, fordernden Zeit!

Wir hoffen nun, dass wir in den kommenden Wochen nicht wieder an die gleiche Stelle müssen, um schwerstverletzte Partygänger zu holen.
Und solltet ihr es nicht lassen können zum Feiern in die hintere Sillschlucht zu gehen, dann bitte mit Stirnlampe, halbwegs festen Schuhen und mit einem so verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und Drogen, dass man sich im weglosen, steilen und absturzgefährdeten Gelände noch zurecht findet. (HAS)

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